Dienstag, 24. März 2015

Projektbesuch am I.P.S.A.R. Tortolì

Montag, 16.03.2015, Anreise

Die Anreise war etwas beschwerlich. In der Vorsaison gibt es keine direkten Flüge nach Sardinien. Ich habe mich entschlossen heute um 3:30 Uhr aufzustehen damit ich um 5 Uhr den Bus vom Bahnhof Dresden-Neustadt zum Flughafen Berlin-Tegel nehmen kann. Um 7:45 Uhr kam ich pünktlich an und konnte gleich bei ALITALIA nach Rom einchecken. Dort ging es dann 13:10 Uhr weiter nach Cagliari. Hier hatte ich einen Mietwagen reserviert (natürlich einen FIAT) und erreichte nach einer Regenfahrt gegen 18 Uhr Tortolí.


Der warmherzige Empfang durch den Schulleiter Gian Battista Usai und seine Frau Maria Grazia war nach dieser Reise für mich sehr wohltuend. 

Nur das Haustier war etwas rabiat.




Dienstag, 17.03.2015, 1. Schultag am I.P.S.A.R. Tortolí

Der erste Schultag ist immer sehr spannend. Die Schule, eine Hotelfachschule mit den Schwerpunkten Küche, Restaurant und Rezeption, beginnt um 8:30 Uhr und ich habe meine lieben Kolleginnen, Kollegen und Freunde Sylvia Secci, Manuela Mereu und Guiseppe Sugamele wieder getroffen. 


 Nach einer kurzen Vorstellung zeigten mir die sieben Schüler (Luca, Gianluca, Claudia, Claudio, Serena, Karin und Manuela) der 4. Klasse (17 bis 22 Jahre alt), welchen Bearbeitungsstand sie mit ihrem I.F.S. (Impresa Formativa Simulata, eine Unternehmenssimulation)  "La perla del mare" bereits haben. Die Gruppe besteht aus Schülern die jeweils französisch oder deutsch lernen.
Herr Sugamele erklärte die Rollenverteilung im Projekt und die jeweils zu erledigenden Aufgaben. Ich als „zukünftiger Hotelgast“ wurde zu meinen Erwartungen und Wünschen an das Hotel befragt.


Dies begann mit meinen Wünschen zum Frühstück (italienische und deutsche Gäste sind da sehr verschieden) über die Unternehmungen am Tag (Stand, Ausflüge, ...) bis zum Abendessen. 
Der Schwerpunkt hier lag hier in der Verständlichkeit für den deutschen Gast, z.B. 
Wie wird das Menü, besonders die Eigennamen, erklärt? 
Welche Hilfe erhält der Gast bei der Auswahl des Weines? 
Welche Hilfe benötigt der Gast?

Die Schüler waren sehr aufgeschlossen und haben mich mit Fragen gelöchert. Einige, aber nicht alle, haben sich neue Ideen sofort notiert. Diese gemeinsame Arbeit am Projekt soll in den nächsten Tagen von uns fortgesetzt werden.

Das I.P.S.A.R. Tortolí hat vor ca. vier Jahr mit dem Projekt eines „Didaktischen Restaurants“ begonnen. Hier wird, dreimal in der Woche, für Angestellte der Schule und für Gäste von außerhalb, ein 4-Gänge-Menü angeboten. Für mich ist dies perfekt, die Schüler in der Küche und im Service bekommen ein Feedback nicht nur von den Lehrern und den Mitschülern sondern auch von den anderen Gästen. Ich finde das toll und habe es genossen. 




Seit ein paar Wochen gibt es auch eine Bar im Foyer der Schule mit einem Angebot an Baguettes, frischem Orangensaft und natürlich Kaffee. Klasse!

Gut gestärkt haben wir dann auf den Beginn der Lehrerkonferenz um 17 Uhr gewartet. Hier ging es um die veränderten Ausprägungen von Kompetenzen beim Erstellen von Prüfungen bedingt durch eine Reform des Kultusministeriums in Rom. Fürmich war es sehr interessant zu sehen und zu hören, wie hitzig und engagiert die Diskussion geführt wurde, wie die Argumente ausgetauscht wurden und wie moderiert wurde. Leider verlief die einstündige Veranstaltung nur mit einem geringem Ergebnis.

Mittwoch, 18.03.2015, 2. Schultag am I.P.S.A.R. Tortolí

Heute hat mich Manuela Mereu in Beschlag genommen. In einer 3. Klasse haben wir den Frühstücksservice in einem Hotel simuliert.
In der ersten Runde spielte ich zusammen mit einer Schülerin die Gäste. Eine andere Schülerin bediente uns sehr souverän.
Für die zweite Runde war ich Kellner und konnte feststellen, wie kompliziert es ist sich alle Wünsche richtig zu notieren und die Gäste richtig zu bedienen. Diskussionspunkte waren hier: Wie rufe ich den/die Kellner/Kellnerin? Herr Ober/Fräulein? Wie fragt ein Kellner? Womit kann ich dienen? Sie wünschen bitte? Was darf es sein?

Das nächste Mal werden wir die Rollen genauer vorbereiten und abrechenbarer gestalten.

Sehr interessant fand ich, wie es mit der Rechnung funktioniert. In Deutschland bringt der Kellner die Rechnung und wartet am Tisch auf das Geld. Dies empfinde ich als unangenehm. Schöner empfinde ich die italienische Version mit dem Teller oder der Mappe und der Kellner bringt das Wechselgeld zurück. Ich kann dann als Gast, ohne Stress entscheiden, ob und wie viel Trinkgeld ich geben möchte.

Am Nachmittag war ich eingeladen per pranzo in campagna. Zu meiner Überraschung und Freude konnte ich CASU MARZU probieren, einen Schafskäse mit Fliegenmaden. Sehr aromatisch und nicht jedermanns Geschmack.

Donnerstag, 19.03.2015, 3. Schultag am I.P.S.A.R. Tortolí

Für eine 3. Klasse hat Manuela Mereu ein Puzzle zu Obst und Gemüse vorbereitet, eine Karte mit dem Bild er Frucht und eine Karte mit dem deutschen Namen. Dieses Spiel hat sehr gut funktioniert, die Schüler waren motiviert und konnten mit kleinen Hilfestellungen die Aufgaben gut erledigen.
In der Diskussion um den methodischen Mehrwert haben wir Möglichkeiten erörtert die Namen der Produkte mit Handlungen zu verbinden, z.B. Ich möchte eine Kiwi essen. Was muss ich tun? Ich schneide die Kiwi mit einem Messer durch und löffele sie mit einem Teelöffel aus.

Am Nachmittag hat mich die Kollegin Rossana zum Essen von wildem grünen Spargel und zu einer Tour durch die Ogliastra mit einer Wandergruppe eingeladen. Die Umgebung ist sehr abwechslungsreich. Es gibt nicht nur das Meer, sondern auch Berge bis 1800 Metern Höhe. Die Sonne schien sehr schön und wir besuchten eine Pilgerstätte, sahen einige Wasserfälle, Steinabbrüche, steile Kletterwände und viele Kunstwerke in der Natur von der Künstlerin Maria Lai. Der Höhepunkt am Abend war der Besuch der Kirche in Ulassai mit dem Kreuzweg aus schwarzem Karton und Garn von Maria Lai.













Freitag, 20.03.2015, 4. Schultag am I.P.S.A.R. Tortolí

Heute war es sehr interessant in der 1. Klasse (Die Schüler sind ca. 14 Jahre alt.). In der Klasse waren ungefähr 20 Schüler, davon ein Schüler mit einer Lernschwäche. Er hat extra einen Begleitlehrer zur Unterstützung bei besonderen Aufgaben. Die Schüler warensehr wissbegierig und arbeiteten in einem Frage-Antwortspiel gut mit. Was noch nicht so richtig geklärt ist, sind die Regel der Kommunikation in der Gruppe. Viele hören nicht bis zum Ende des Satzes zu. Viele können nicht abwarten bis ein Anderer alles ausgesprochen hat und reden dazwischen. Dies sehe ich als langen pädagogischen Prozess der nur in Zusammenarbeit des gesamten Lehrerkollegiums vorangebracht werden kann.

Die Kommunikation mit der 4. Klasse und dem Hotelprojekt funktionierte viel besser. Wir haben uns mit Sylvia Secci zusammengesetzt und ein Brainstorming veranstaltet. Es gab sehr viele gute Ideen, die von den einzelnen Schülern auch notiert, aber nicht für die Gruppe visualisiert wurden. Bei der Diskussion kam der Gedanke einen Plan des Hotels zu erstellen und eine Skizze der Ansicht des Hotels vom Haupteingang aus zu zeichnen. Dies soll dann im Businessplan verwendet werden. In der nächsten Woche wollen wir zusammen zum Standort des geplanten Hotels fahren und alle Ideen vor Ort überprüfen.


Zum Wochenende gab es wieder ein Essen im „Didaktischen Restaurant“.

Wochenende

Am Nachmittag wurde das Wetter schöner und ich beschloss eine Tour über die Insel zu unternehmen. Mein Weg führte mich noch Olbia, wo ich übernachtete, an der Costa Smeralda entlang bis nach Santa Teresa di Gallura. Dort ist der Strand traumhaft und bei guter Sicht kann man bis Korsika schauen. Auf dem Weg zur Ostküste konnte ich sehen wie verschieden die einzelnen Regionen Sardiniens sind und wie verschieden auch das Wetter ist. In den Bergen um Villagrande Strisaili wurde es sehr sehr nebelig.

Montag, 23.03.2015, 5. Schultag am I.P.S.A.R. Tortolí 

Heute war ich wieder zu Besuch bei der Unternehmensimulation  in der 4. Klasse. Die Schüler haben beschrieben wie das Hotel aussehen soll, allerdings hatte Jeder einen etwas anderen Plan im Kopf. Um das Problem zu lösen erhielt ein Schüler den Auftrag seine Vorstellung an der Tafel zu visuallisieren um darüber disskutieren zu können. Dies erwies sich nicht als so einfach, zumal die Vorstellungen noch etwas zu unkonkret waren. Beim übertragen auf Papieren kamen dann noch ein paar Probleme hinzu:
- Welchen Maßstab wähle ich?
- Wie groß muss ein Zimmer überhaupt sein? (Zweibett-, Dreibett-, Vierbettzimmer)
- Wo und wie ordene ich die Häuser, die Rezeption, die Pools und den Parkplatz an?

In der weiteren Diskussion kam die Idee, man könnte doch den Plan in GoogleMaps übertragen, dann an den realen Platz fahren, Fotos machen und die Gebäude in das reale Foto einbetten. Dies sollte in den nächsten Tagen geschehen.

Am Nachmittag wurde ich von Rossana und Sylvia eingeladen mir einige schöne Plätze an der Küste anzuschauen. In den letzten Tagen hatte es sehr viel geregnet. So waren einige Straßen überflutet. Überall trafen wir Kühe, Schafe und Ziegen die frei, ohne Weidezaun, herumlaufen.Und..., man hört überall den Sound Sardiniens.




Leide war ein Bach nicht Zufuß durchquerbar, aber auf umwegen haben wir einen sehr schöne Naturpools an einem anderen Bach gesehen, die im Sommer zum Baden einladen.

Dienstag, 24.03.2015, 6. Schultag am I.P.S.A.R. Tortolí

Nachdem wir gestern endlich einen Plan vom Hotel hatten, stand heute das Problme, welche Aktivitäten bietet das Hotel an. Die Schüler hatten reichlich Ideen was ihnen Spaß machen könnte. Allerdings soll es ein Hotel für die ganze Familie sein und nicht jeder interessiert sich für Bingo oder die Kinderdisko.
Im Folgenden haben wir Zielgruppen nach dem Alter festgelegt und auch visualisiert. Jetzt fiel es den Schüler wesentlich einfache den Altersgruppen die Aktivitäten zuzuordnen.


Die einzelnen Angebote wurden von den Schüler vorgestellt und darüber diskutiert, ob diese vom Hotel oder externen angeboten werden und wie es mit Kooperationen aussieht. Dies scheint aus ihrer Erfahrung nicht möglich, da sie hauptsächlich die Konkurenz im anderen Anbieter sehen.
Tolle Ideen entstanden mit Kochkursen und Exkursionen durch Sardinien um verschiedene regionale Lebensmittel kennenzulernen.




Mittwoch, 25.03.2015, Besuch bei lokalen Lebensmittelherstellern

Heute besuchten wir zusammen mit Teilnehmern des Hotelprojektes verschiedene lokale Lebensmittelhersteller.

 Zu Beginn ging es zu einer Käserei. Wenn ca. 600 Liter Schafsmilch gemolken sind wird Pecorino Sardo hergestellt. Dazu muss alles peinlich sauber gehalten werden und die Temparaturen müssen exakt eingehalten werden.



 


Weiterin besuchten wir eine Pasta Manufaktur. In jedem Dorf gib es andere Sorten Pasta, mit anderen Namen und anderen Rezepten.





Donnerstag, 26.03.2015, 7. Schultag am I.P.S.A.R. Tortolí

Heute, am letzten Tag in der Schule, haben die Schüler weiterhin ihre Ideen zu den Aktivitäten des Hotels vorgestellt.

Anschließend haben sich Sylvia und ich nochmal zusammengesetzt und unsere Eindrücke ausgetauscht.
Wir wollen auf jeden Fall weiter intensiv zusammenarbeiten.

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