Montag, 18. Mai 2015

EUROPLAY TOURNAMENT - Giochi d'Europa 2015

Vorbemerkung

Wir arbeiten seit Jahren eng mit einer sardischen Schule im Rahmen diverser europäischer Projekte (so auch in Erasmus+) zusammen. Aus diesem Grund bekamen wir im April eine Einladung zu einem großen Sportevent in Cagliari.

Beim EUROPLAY TOURNAMENT "Giochi d'Europa 2015" traten 28 verschiedene Mannschaften für 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu einem Turnier in den Sportarten Fußball (Kleinfeld), Volleyball und Basketball an. 25 dieser Mannschaften wurden von sardischen Schülern aus Cagliari und Umgebung verkörpert. Die Mannschaften Tschechiens, Frankreichs und Deutschlands bestanden aus Schülern der jeweiligen Länder. Wir sind sehr stolz darauf, als Vertreter unseres Landes ausgewählt worden zu sein.

Anreise mit Hindernissen

Eigentlich erschien alles einfach und klar. Doch drei Tage vor unserer Abreise brannte ein Terminal in Rom. Daraufhin kam es europaweit zu vielen Ausfällen.



Auch einer unserer Flüge war betroffen. Dank des unermüdlichen Einsatzes unserer Lehrkräfte Frau Taubert, Herr Neumerkel und Herr Reinhold, besonders auf dem Flughafen in Frankfurt am Main, kamen wir alle nach 15 Reisestunden wohlbehalten in Cagliai an.



Erster Tag -Kultur, Erholung und mentale Vorbereitung

Der Sonntag stand uns zur freien Verfügung. Das war nach der anstrengenden Anreise auch nötig. Gut gestärkt verließen wir in individuellen Gruppen das Hotel und besichtigten zunächst das historische Stadtzentrum von Cagliari. 





Besonders beeindruckend war die Aussicht von den beiden alten Türmen Torre di San Pancrazio und Torre dell'Elefante.



Nach dieser Erholung für die Sinne folgte die Erholung für den Körper. Wir fuhren zum 8 km langen Strand. Bei 29 Grad Celsius und leichtem Wind konnten wir wirklich gut entspannen und uns auf den darauffolgenden Wettkampftag einstellen.




Zweiter Tag - Das Turnier

Wir wurden nach dem Frühstück um 8 Uhr abgeholt. Sämtliche Sportanlagen befanden sich in einem Umkreis von 10 Gehminuten. Die Organisation war Spitze. Vom Umkleidezelt, über die Essensversorgung bis hin zu den ausreichend vorhandenen Getränken an jedem Wettkampfort stimmte einfach alles. Was uns aber irgendwie fehlte, war eine Eröffnungsveranstaltung mit allen Mannschaften. Wir wurden sofort zu unserem ersten Wettkampfort geführt.





Fußball
(Spieler: 2 Mädchen und 3 Jungen)

Im ersten Spiel wurden wir von unserem Gegner hinten eingeschnürt. Diesem Pressing hatten wir nur wenig entgegenzusetzen. Aber mit Kampfbreitschaft und etwas Glück überstanden wir die ersten neuneinhalb Minuten. Dann endlich konnten wir den ersten richtig guten Konter fahren, bei dem unser Stürmer nur mit einer Notbremse gestoppt werden konnte. Der Freistoß knallte dann leider nur an den Pfosten... sprang aber billardmäßig durch den Strafraum und landete doch noch im Tor. Abpfiff! Sieg!



Besser eingespielt ging es dann ins zweite Spiel. Dieses gewannen wir deutlich und ohne Probleme.




Volleyball
(Spieler: 3 Mädchen und 3 Jungen)

Dem Tourniermodus folgend standen nun 2 Volleyballspiele an. Gleich das erste mussten wir gegen den späteren Volleyballtourniersieger bestreiten. Es war einfach atemberaubend, dem eingespielten Team Zyperns zuzuschauen. Ihr gefährlichster Spieler schien Sprungfedern in seinen Waden zu haben. Mit 22:4  gingen wir nach 10 Minuten baden.




Im nächsten Spiel hatten wir einen nicht so starken Gegner und lange Zeit sah es so aus, als ob weitere Punkte gesammelt werden würden. Leider drehte der Gegner in den letzten beiden Minuten das Spiel. 




Basketball
(Spieler: 2 Mädchen und 3 Jungen

Um nicht schon in der Vorrunde ausscheiden zu müssen, wollten wir jetzt unbedingt wieder Punkte einfahren. Die Körpergröße des einen oder anderen Spielers unseres Gegners lies aber nichts Gutes erahnen. Aber was hat das schon zu sagen. Wir spielten druckvoll und am Korb präzise. Dass unser bester Spieler Marbod mit dicken Mandeln auflief und nur 73,89 % seiner Leistung abrufen konnte, war nicht zu sehen. Es passte einfach alles. 11:0 hieß es am Ende für uns. Das Weiterkommen war gesichert.




Das zweite Spiel war somit nicht mehr entscheidend. Trotzdem schenkten wir nichts ab. Der Gegner war uns allerdings weit überlegen, so dass wir eine deutliche (aber nicht schmerzende) Niederlage kassierten.



 


Finalrunde

Jedes qualifizierte Land musste sich nun für eine Sportart entscheiden, in der es die Finalrunde bestreiten wollte. Somit kam es zu drei Finals mit je acht Mannschaften.

Wir entschieden uns natürlich nicht für Volleyball, sondern für Fußball.


Zunächst aber gab es Mittagessen.

 

Bis zum Anstoß blieb aber noch genügend Zeit für ein Erholungsnickerchen.


 

Das Viertelfinale war unerwarteter Weise ein Kinderspiel für uns. Leicht und locker gewannen wir und freuten uns auf Malta als nächsten Gegner. Besonders bemerkenswert war, dass zwei der vier Tore in diesem Spiel von Laura erzielt wurden!

 

Irgendwie hatten wir den Turniermodus aber nicht richtig verstanden. Verblüfft stellten wir fest, dass wir doch gleich auf Spanien treffen sollten und nicht erst im Finale. Die waren hammermäßig besetzt. Ihr bester Spieler schien einem Sportbilderbuch entsprungen zu sein (spielt in der Serie D in Cagliari). Dazu kommt, dass auch die italienischen Mädchen garantiert in Vereinen Fußball spielen. Die Ballannahme und das Passspiel waren beeindruckend. Dem konnten wir nicht viel entgegensetzen. Dazu kam noch ein unglücklicher Pressschlag, bei dem Laura sich todesmutig zwischen das Tor und den oben genannten Modellathleten warf. Ergebnis: eine äußerst schmerzhafte Bänderdehnung. Als wir dann auch noch ein Tor kassierten, weil wir die besonderen italienischen Fußballregeln nicht kannten, war der Drops gelutscht. Mit der ganzen Wut im Bauch hielten wir zwar noch dagegen und waren körperlich und kämpferisch die Sieger, leider aber nicht ergebnistechnisch. 2:4. Bemerkenswert: Auch hier erzielte mit Susann-Marie eine unserer Damen ein tolles Tor!


 
Danach wurde Laura (nach eingehender Beratung von 11 (elf!!!) italienischen Sanitätern) ins Krankenhaus gefahren. Unteruchung, Röntgen und Bekanntgabe des Ergebnisses dauerten 7,5 Stunden. Nachts 1:15 Uhr kam sie mit Frau Taubert zurück ins Hotel.
:-(

Der Rest von uns kämpfte im abschließenden kleine Finale um Platz 3. Trotz zweimaliger Führung mussten wir uns am Ende 2:4 geschlagen geben. Die Luft war einfach raus. Aber keiner war enttäuscht. Platz 4 von 28 Teilnehmern ist in so einem Turnier mit so vielen guten Sportlern ein Spitzenergebnis.





Auf der Abschlussveranstaltung, bei der alle Erst- bis Drittplatzierten der drei Sportarten ausgezeichnet wurden, wurde uns die Bedeutung unseres vierten Platzes erst richtig bewusst. Jeder Spieler und Betreuer der Drittplatzierten Mannschaften bekam als Preis ein Damenfahrrad. Nicht auszudenken, was wir mit 15 Damenrädern am Flughafen zu hören bekommen hätten. Spätestens an dieser Stelle konnten alle wieder richtig lachen und freuten uns über den tollen vierten Platz!


 


Abreise mit Hindernissen

An den römischen Rahmenbedingungen hatte sich übers Wochenende leider nichts geändert. Im Gegenteil, es kam noch ein Streik des Bodenpersonales am Flughafen in Rom dazu. Da wir aber von der Hinreise bereits kampferprobt waren, meisterten wir diese kleinen Hürden mit Bravour. Selbst das Handicap, auf jedem Flughafen einen Rollstuhl zu organisieren, damit wir Laura nicht huckepack tragen mussten, konnte uns nicht aus der Bahn werfen. Unser besonderer Dank gilt Louisa, die sich unerbittlich durch das römische Chaos wühlte und erfolgreich mit Rollstuhl und Rollstuhlschiebepersonal zurückkam (über die Hürden der sprachlichen Verständigung mit den nahezu nicht englisch sprechenden Flughafenangestellten wollen hier nicht schreiben).


 
 

Eine optische Entschädigung stellte der Flug nach München dar, denn er bot uns einen atemberaubenden Blick auf die Alpen und über das Inntal.




Das i-Tüpfelchen war schließlich ein Gewitter über Dresden, welches es dem Piloten zunächst nicht ermöglichte, zu landen. Nachdem wir 40 Minuten über Dresden kreisten und uns dabei wie in einer Rüttelmaschine fühlten, landeten wir doch noch. Nach 16stündiger Rückreise endete unsere Reise. 

Die Frage, ob wir so etwas wieder machen würden, beantworten wir einstimmig: JA!

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